Die Krux mit Entscheidungen und dem eigenen Willen

Jetzt sind wir also mit der Schule fertig. Es geht nicht gleich mehr oder weniger automatisch mit Gymnasium, Haupt-, Real- oder sonst einer Schule weiter. Darüber ist man natürlich erstmal froh, und ehrlich gesagt bin ich das auch jetzt noch, aber das bedeutet, dass man sein Leben nun selbst in die Hand nehmen muss. Was ja prinzipiell auch gar nicht schlecht klingt. Nur leider liegt einem die Welt dabei nicht zu Füßen. Nehmen wir mal den Beruf, auf den man mehr oder weniger abzielt. Welche Eigenschaften und Qualitäten sollte er idealerweise aufweisen? Natürlich sollte er genügend Geld einbringen, um gut leben zu können, ohne jeden Cent umdrehen zu müssen, er sollte außerdem gefragt sein, man sollte nicht nur diesen Beruf zur Auswahl haben können und fordernd sollte er sein, aber auch nicht überfordernd, Spaß und Leidenschaft ist natürlich auch wichtig, und gerne sollte man es sowieso machen. Prima. Der Weg zu diesem Beruf führt in Normalfällen über ein Studium. Das sollte natürlich auch interessant, ebenso fordernd, aber nicht überfordernd, nicht allzu lang, anspruchsvoll oder trocken sein. Um einen solchen Studienplatz zu ergattern, braucht man dann in der Regel den richtigen Notendurchschnitt und die nötige Intelligenz, das Durchhaltevermögen und den Ehrgeiz es auch zu schaffen. So. Ich will mich hier gar nicht als Dummerle darstellen, ich hab nur einfach ein Medizinstudium im Kopf während ich das hier schreibe. An meinen Noten konnte man schon immer sehen, meine Stärken liegen in Sprachen und nicht in Naturwissenschaften. Wie ihr euch denken könnt, kann ich für Mathe, Physik, Chemie und Bio auch nicht besonders viel Leidenschaft aufbringen. Trotzdem hab ich mich für Medizinstudiengänge an so einigen ausländischen Unis beworben. Voller Vorfreude natürlich.
Mit meinem Freund zusammen studieren würd ich gern. Wenigstens in der gleichen Stadt, damit man in einer Wohnung leben kann. Fernbeziehung ist denk ich nichts für mich. Der aktuelle Plan war, zusammen Medizin zu studieren. Doch überzeugt bin ich nicht. War ich je überzeugt? Die Pro-Argumente leuchten mir köpfisch gesehen natürlich alle ein. Hört sich toll an! Aber es hat auch andere Seiten, und die machen mir einen Strich durch die Rechnung. Relativ früh Kinder? Nette Arbeitszeiten, auch mal von daheim aus? Freude, Positives verbreiten durch meine Arbeit? Und fühlt sich ein Sprachenmädchen nicht verloren in einer Horde ambitionierter Naturwissenschaftler? 




Aber der 15. Juli, das Ende der Bewerbungszeit für alle zulassungsbeschränkten Studiengänge, ist vorbei. Dass da die Frist ist, hab ich an diesem Tag gemerkt, was hab ich nur für ein Timing. 
Wie lautet also der Plan, falls wir/ ich an der Uni Vilnius nicht angenommen werden? Ein Germanistik oder Anglistik/ Amerikanistik Studium beginnen? Aus Spaß an der Sache? Oder ist das womöglich auch nichts, und man bildet sich's nur ein?
Oder einfach arbeiten, und später wieder bewerben? Oder noch ein FSJ ergattern? Work & Travel-Dingsis kommen nicht in Frage. 
Die Frage, deren Antwort ich finden muss, und am besten möglichst bald, lautet: Was will ich überhaupt? Falls einer weiß, wie man auf die Antwort kommt, nur her damit! Meine Motivation geht nämlich langsam flöten. 
So viele Leute meinen es gut mit einem, besonders im familiären Umfeld. Und doch fragt man sich, macht der Motorradführerschein, der Bootsführerschein, das Jura- oder Medizinstudium auch für mich Sinn, oder nur im Allgemeinen? Will ich überhaupt mit einem schnellen Roller fahren, brauch ich das? Reichen mir nicht 50 km/h? Wozu hab ich einen Autoführerschein? Mir graust es, vornübergebeugt auf einem Motorrad über Landstraßen & Autobahnen und besonders im Dunkeln zu fahren. Hab ich je vor, großartig Boot zu fahren? Irgendwie muss das nicht sein. Mitfahren ist voll ausreichend. 




Wie hoch ist die Chance, mit etwas zufrieden und ausreichend erfolgreich zu werden, was das nicht schon quasi in der Studiengangbeschreibung verspricht? Herz oder Kopf? Und wie bringt man dann alles unter einen Hut? Auf meinem Weg zur beruflichen Selbstfindung hab ich mich wohl gerade grübelnd auf eine Bank gehockt, mit der Frage, in welche Richtung ich wohl gehen werde, wenn die Weggabelung mal da ist. Zweifelnd, ob der Weg, den man bisher seit der Abiphase gegangen ist, überhaupt sinnvoll war? Rückblickend waren schon ein paar Fehltritte dabei, wie zum Beispiel das mit dem Ende der Bewerbungszeit. Natürlich möchte man auch niemanden enttäuschen, irgendwie hat man nie so ernst nachgedacht. Hat Möglichkeiten nicht in Betracht gezogen, sich zusehr auf einwas eingeschossen, anderes vernachlässigt, sich gar nicht erst erkundigt. 


Entschuldigt, dass das so ein persönlicher Post wurde, aber vielleicht finden sich einige ja an so mancher Stelle darin. Falls ja, dann würde ich mich freuen, wenn ihr mir von eurem Marsch auf dem Weg nach der Schule erzählt! Ging er gradeaus? War er kurvig und steinig? Oder musstet ihr den Berg nochmal runter und woanders neu anfangen?

Oder wie seid ihr zu eurem aktuellen Beruf/ Studiengang gelangt und wie habt ihr euch dafür entschieden? Seid ihr zufrieden oder würdet ihr die Situation gerne ändern? Wie viel habt ihr auf Ratschläge & Warnungen von Familie, Freunden und Co. gegeben?


Falls ihr bis hierher gekommen seid: Vielen Dank fürs Lesen & ich freue mich über jede Antwort, die ihr mir geben könnt! :-)




P.S. Der Abiverabschiedungspost kommt noch, den hab ich nicht vergessen! Entschuldigt, dass er so viel Verspätung hat! 

Kommentare:

  1. Hallo Katharina :)
    Ich habe bei deinem Post ab und zu gedacht : Warum weiss sie so viel über mich? Wie kann es sein, dass die Fremde hinter dem Bildschirm genau so denkt und fuehlt was Job und Zukunft angeht?

    Eine Zeit lang wollte ich auch medizin studieren. Doch dafür bin ich 1. Zu "doof" und auch emotional nicht belastbar genug. Menschen leiden und sterben zu sehen ist hart und dafür muss man gemacht sein.

    Ich mache jetzt meine Ausbildung zur Kauffrau für Versicherung und Finanzen und ich freue mich drauf.
    Ich bin durch Freunde und Familie darauf gekommen. Sie haben gesagt, dass ich etwas verkaufen soll und Kunden betreuen.

    Für mich war es aber klar, dass ich ins Büro will und nicht in ein Geschäft.
    Und meine Ausbildung ist einfach eine gute Mischung.
    Puh, was für ein Roman.

    Liebe Grüße, Anna - Lena :)

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    1. Danke für deinen Kommentar! :)
      Ja, ich habe auch sehr große Zweifel- umso besser, dass heute die Zusage der Uni kam. :(
      Schön, dass du noch was gefunden hast, was dir zu gefallen scheint und worauf du dich freust! Ich hoffe, es macht dir letztendlich auch wirklich Spaß! :-)

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  2. Huhu,
    ich hab noch ein Jahr Schule vor mir, wenn die Sommerferien zu Ende sind, habe aber heute schon meine ersten Bewerbungen abgeschickt..
    Ich bin echt mega gespannt, was die Zukunft bringen wird & noch ein wenig unsicher, ob es genau das ist, was ich in einem Jahr auch noch machen will..

    Medzin hat mich zwar auch immer interessiert, aber ich bin einfach nicht der Typ, der Telefonbücher auswendig lernen könnte :p :D
    Außerdem hat Anna-Lena recht, emotional muss man da echt für gemacht sein & das wäre ich vermutlich auch nicht!

    Im Übrigen finde ich die Bilder total schön & freu mich auf den Abi-Post! :)

    Liebst,
    Anki vom bilderlabor.blogspot.de

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    1. Du bist also einer dieser frühen Vögel :-D. Zu denen kann ich mich nicht gerade zählen. Also, wenn's drum geht, Telefonbücher auswendig zu lernen, muss ich glaub ich auch passen :-D.
      Naja, wir werden ja sehen, wo uns die Zeit hinführt. Solange wir dann zufrieden sind, passt's ja ;-). Dankeschön! :)

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  3. Ich bin auch nur über Umwege zu meinem Studiengang gekommen...ich habe nach dem Abitur eine Ausbildung in der Bank gemacht. Ich wollte ja gerne was machen, wo ich viel mit Menschen in Kontakt bin und viele neue Leute kennen lernen kann.
    Studieren kam damals absolut nicht in Frage, mit der Schule war ich erstmal durch :D

    Dass Bankkaufleute aber nur ca. 5% ihrer Zeit wirklich damit verbringen, nette Leute kennen zu lernen oder mit Menschen zu arbeiten, erzählt einem ja leider uach niemand. Stattdessen gibt es jede Menge Vorschriften, man wird eigentlich in allem kontrolliert (wie habe ich jemanden anzusprechen, was ziehe ich an...sieh bloß immer beschäftigt aus, wenn ein Kunde dich sehen könnte und um Gottes Willen ! Geh bloß nicht pünktlich nach Hause...wehe du machst keine Überstunden!) , vom Zahlendruck mal ganz abgesehen.

    Für mich war also nach 2 Jahren Ausbildung und einem Jahr arbeiten kalr, dass ich so nicht weitermachen kann. Stattdessen habe ich gekündigt und studiere jetzt Personalmanagement und Psychologie. Und bisher bin ich absolut glücklich und glaube, endlich das richtige gefunden zu haben :)

    Medizin ist leider ein beruf, den viele Menschen aus den falschen Motiven wählen...das Geld ist in Krankenhäusern zum Beispiel nicht annähernd so gut wie in privaten Kliniken oder Praxen, die wohl die wenigsten sofort eröffnen werden. Die Assistenzarzt und Ausbildungszeit ist super hart, sowas muss man aus Leidenschaft machen und weil man menschen helfen möchte. Diese ganzen 1er Abiturienten, die das wegen der Prestige und dem Geld studieren sollten meiner Meinung nach ganz schnell die Plätze für geeignetere Kandidaten frei machen !

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    1. Ja, das ist auch sowas... Man sieht immer nur einen Teil eines Berufs oder Studiums, und dann tue ich mir schwer das Ganze zu erfassen..
      Wie kam es dann, dass du dich für Psychologie und Personalmanagement entschieden hast? Freut mich für dich! :-)
      Ja, das glaub ich, ich hab ein 4-wöchiges Praktikum in einem Klinikum gemacht und es war nicht so toll.. Manche Sachen sind da absolut ein wenig zweifelhaft, aber naja, Noten und Geld öffnen eben eine Menge Türen :-).

      Danke, dass du das mit mir geteilt hast! Hat mich sehr gefreut und finde ich sehr interessant :-)!

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