Ein bisschen mehr "Sex and the City" würde uns gut tun.

Vor kurzem hatte mich eine Erkältung gepackt, und somit verbrachte ich den Großteil des Tages im Bett. Ein bisschen Zeitschriften lesen, ein bisschen „Sex and the City“ schauen. Nachdem ich fünf Folgen der ersten CD hintereinander geschaut hatte, kam mir der Gedanke: Ein bisschen mehr „Sex and the City“ in unserem Leben würde uns gut tun. Warum?
Nun, man betrachte den Punkt Freunde. Wer von uns hätte nicht lieber 3 Freunde/-innen, die immer zusammenhalten, viel miteinander unternehmen und alles besprechen können, als 100-500 Facebook-Freunde, die man (wenn überhaupt) mal irgendwo kennengelernt hat, mit denen man aber nicht mal Kontakt hält - die man nicht mal anschreiben würde, weil man sich „so nah“ dann ja doch wieder nicht ist.
Überhaupt: Wer ruft seine Freunde heutzutage noch an? Ich habe vielmehr den Eindruck, Freundschaften spielen sich nun eher in der virtuellen als in der realen Welt ab. Man macht Treffen über Whatsapp/SMS aus, diskutiert Neuigkeiten und Streits darüber aus, lieber in Endlos-Nachrichten als per Telefon oder gar persönlich.
Warum ist das so? Haben wir wirklich so wenig Zeit, als dass wir uns mit Freunden für so etwas nicht mehr persönlich treffen können? Es dauert auch einiges an Zeit, so eine Endlos-Nachricht einzutippen, Buchstabe für Buchstabe.
Und, apropos Anrufen. Der Satz „Ruf mich an!/ Ich ruf dich an!“ am Anfang einer Bekanntschaft oder am Ende eines Dates ist doch veraltet, oder? Heißt es heute nicht viel eher „Ich schreibe dir!“? Und das leider nicht per Brief (sowieso veraltet) oder Postkarte. Ist das nicht furchtbar unromantisch?
Dazu kommt, dass man sein Handy dadurch zum heiligen Gral erhebt, denn der andere könnte sich ja jederzeit melden, also muss man auch jederzeit erreichbar sein. Carrie & Co hatten keine Handys, da hat man den Leuten noch aufmerksam zugehört und war nicht so abhängig von so einem Ding.


Überhaupt muss ich gestehen, bin ich von den meisten meiner Freunde immer wieder enttäuscht.
Klar gibt’s da auch die eine oder andere Ausnahme; Menschen, die einen merken lassen, egal wie lange wir nichts von einander gehört haben - ich weiß, dass es dich noch gibt; Menschen, die einfach schön sind, und auch wenn ich mir da manchmal selbst im Weg stehe, sie sind liebenswert und ehrliche Freunde. Aber bei anderen da frag ich mich, wie viel Prozent Freundschaft auf dem Etikett überhaupt stehen würde. Menschen, die sich irgendwie nicht so für deine (angedeuteten) Schwierigkeiten interessieren, oder bei denen es oft nicht über ein „Daran gewöhnst du dich bestimmt“ oder „War dir das nicht von Anfang an klar?“ hinausgeht. Menschen, von denen du oft schon weißt, dass du nicht viel erwarten kannst. Dass sie mit dir keine verrückten Sachen machen, dass wie so oft eine enttäuschende Antwort auf eine Frage kommt, dass du irgendwie gar nichts mehr von ihnen hörst, und für ein Treffen (gerade bei größerer Entfernung) sind sie eh viel zu beschäftigt.
Vielleicht sollten wir unsere Freundschaften reduzieren, vielleicht sollten wir uns weniger halbherzig um die einen kümmern, und dafür mit ganzem Herzen bei anderen sein.
Ein bisschen Freundschaft á la Carrie & Co.

Kümmert euch um die Leute, bei denen ihr mit dem Herzen seid. Verhaltet euch ihnen gegenüber bewusster, erkennt ihren Wert. Unternehmt mehr miteinander, egal, wie groß die Entfernung sein mag, dann muss eben doch die moderne Elektronik aushelfen. Nehmt an ihrem Leben teil, und lasst sie an eurem teilhaben.

Wie denkt ihr über das Thema Freundschaft in der heutigen Zeit? Und was liebt ihr an „Sex and the City“?

P.S. Außerdem lässt mich „Sex and the City“ noch mehr vermissen: Spontanität, angeregte Gespräche und Freiheit in der Mode. Aber dazu vielleicht ein ander Mal.

Kommentare:

  1. Guten Abend,
    ein wunderbarer Blog, dem ich nach dem Schreiben des Kommentars mal folgen werde.

    Ich denke, dass das heutzutage einfach die Zeit ist. Ich erinnere mich, dass ich in den 90ern Brieffreundschaften hatte und echte Kontakte, wenn man diese so nennen kann. Heutzutage hat jeder fast jeder ein Smartphone und Apps, die uns Menschen verbinden. Ich selbst habe wenige aber gute Freunde und kenne durch Blogs und allgemein das Internet einige Menschen, mit denen ich mit gut angefreundet habe aber es gibt eben auch diese, die man einfach außen vor lässt und wo die "Freundschaften" eigentlich nur Bekanntschaften und dazu noch sehr oberflächlich sind. Wer aber ein paar Freunde hat, der sollte ihnen, wenn es einem denn beliebt auch mal einen Brief oder eine Postkarte zukommen lassen. Das erhellt einem doch den Tag. Dazu kommt aber auch, dass diese Freunde das mögen sollten, denn viele sind dann auch wieder nur vom Schreiben in der virtuellen Welt begeistert. Es muss finde ich einfach beiden Seiten gefallen.

    Ich wohne einige Kilometer von meinen Freundinnen entfernt und das Internet verbindet uns noch, zumal ich wirklich keine Telefontante bin. Ich telefoniere einfach ungerne und wenn höchstens mit meiner Mutter.

    Lieben Gruß.

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    1. Erstmal: Vielen Dank, das freut mich sehr :-).
      Mir ist bewusst, dass wir uns heute in einer sehr technik- und elektroniklästigen Welt wiederfinden, nur leider gehen da neben all den neuen, guten Dingen, auch ein paar altbewährte verloren. Und ich denke, eine Handvoll guter, treuer Freunde und ein paar weitere Bekanntschaften in der richtigen und in der Bloggerwelt ist die ideale Ergänzung und Abwechslung- solange es diese Handvoll Freunde eben gibt. Sonst ist man leider schnell einsam und es geht einem eine Menge Spaß ab. ;-)

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